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Strom messen als Unternehmen, muss das sein?

Die Revision und Neufassung der ISO 50001 betrifft zunächst alle Unternehmen, die bereits nach DIN EN ISO 50001 zertifiziert sind: Innerhalb von drei Jahren nach Veröffentlichung der Revision, also im Jahr 2021 müssen alle bestehenden Zertifizierungen auf die neue ISO 50001 umgestellt werden. Ab 2021 werden neue Zertifizierungen nur noch nach der Neufassung durchgeführt.

Die Revision der ISO 50001 folgte einer turnusgemäßen Überprüfung der Norm. In einem Abstand von fünf Jahren wird jede Norm revidiert und überarbeitet. Zusätzlich hat sich durch die neue High-Level-Structure (HLS) ein Handlungsbedarf ergeben. Die ISO 50001 folgt durch die Neufassung nun der High-Level-Structure.

Die High-Level-Structure ist das gemeinsame Schema nach welchem alle ISO Normen seit 2012 aufgebaut werden müssen. Alle ISO Normen haben seither eine gemeinsame Grundstruktur, die aus 10 Abschnitten besteht – die High-Level-Structure.

Mit der Revision der 50001 wurde die Norm in die High-Level-Structure überführt. Unternehmen, die neben der ISO 50001 weitere Managementsysteme, wie etwa die ISO 9001 für Qualität oder ISO 14001 für Umweltschutz eingeführt haben profitieren von der Vereinheitlichung. In alle Normen sind alle Anforderungen zu bestimmten Themen nun im selben Abschnitt zu finden. Eine Zusammenführung im Management der ISO-Systeme wird dadurch erleichtert. Gleichzeitig enthält die HLS einen allen Normen gemeinsamen Grundtext und einheitliche Begriffsdefinitionen, die ebenfalls das Zusammenspiel verschiedener Managementsysteme erleichtern.

Aufgrund des gemeinsamen Grundtextes der HLS werden die Anforderungen an ein Energiemanagementsystem (EnMS) erweitert. Am wichtigsten: Die strategische Einbindung des Energiemanagementsystems muss sichergestellt werden. Dazu müssen für das EnMS relevante interne und externe Themen sowie interessierte Parteien, die für das EnMS relevant sind, und deren Anforderungen ermittelt werden.

Die Ermittlung von gesetzlichen und anderen Anforderungen, zu denen sich die Organisation verpflichtet hat, wird damit um eine Analyse zu internen und externen Einflüssen auf die energiebezogene Leistung und das Energiemanagementsystem erweitert. Solche Einflüsse können z.B. Politik, Verbraucherverbände, verfügbare Techniken oder Interessen von Eigentümern und Mitarbeitern sein. Die sich aus den Analysen ergebenden Risiken und Chancen für das EnMS sind zu untersuchen und müssen ggf. bei der Planung berücksichtigt werden.

Außerdem fällt der bisher geforderte Beauftragte der obersten Leitung weg – künftig ist die oberste Leitung insgesamt gefordert, sicherzustellen, dass das Energiemanagementsystem seine beabsichtigten Ergebnisse erzielt. Für die operative Betreuung des EnMS ist in Zukunft das Energiemanagement-Team verantwortlich (das aber aus nur einer Person bestehen kann, die dann auch Energiemanagementbeauftragte/r genannt werden kann).

Aus der turnusgemäßen Überprüfung der Norm ergab sich vor allem der Bedarf, einzelne Anforderungen eindeutiger zu formulieren. So wird etwa klargestellt, dass bei der energetischen Bewertung für jeden wesentlichen Energieeinsatz die relevanten Variablen, die ihn beeinflussen, die aktuelle energiebezogene Leistung und Personen, die ihn beeinflussen können, zu ermitteln sind.

Auch die Rolle von Energieleistungskennzahlen (EnPI) und energetischer Ausgangsbasis (EnB) wird klarer dargestellt: die EnPI sollen dazu dienen, die Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen – und dies erfolgt durch den Vergleich mit der entsprechenden Ausgangsbasis (in den Anmerkungen wird hierzu auf den Leitfaden DIN ISO 50006 verwiesen). Neu ist auch die Anforderung, beide Werte ggf. zu normalisieren, also Änderungen von relevanten Variablen (und ggf. statischen Faktoren) in die Berechnung mit einzubeziehen. In diesem Zusammenhang wird auch ausdrücklich in der Norm gefordert, dass es spezifische Ziele zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung geben muss.

Die Anforderungen an einen „Plan für die Energiemessung“ werden außerdem konkretisiert: In dem „Plan für Energiemessung“ muss festgelegt werden, wie Daten gesammelt bzw. gemessen werden.

Die Daten müssen umfassen:

* relevante Variablen bezüglich wesentlicher Energieeinsatzbereiche,

* Energieverbrauch der wesentlichen Energieeinsatzbereiche und der Organisation,

* Betriebsmerkmale der wesentlichen Energieeinsatzbereiche,

* statische Faktoren (falls zutreffend),

* in Aktionsplänen festgelegte Daten.

Auch die Methoden, mit denen gültige Mess- und Überwachungsergebnisse sichergestellt werden sollen, müssen bestimmt werden.

Weiterhin hilft die Norm durch die Darstellung eines Best-Practice-Modells Unternehmen, ihre energiebezogene Leistung – der Begriff umfasst Energieeinsatz, Energieverbrauch und Energieeffizienz – zu verbessern. An den Kernkonzepten wird nicht gerüttelt, erkannte Schwächen werden abgestellt. Damit hilft die Neufassung dabei, bestehende Energiemanagementsysteme zu verbessern.

Die Umstellungsfrist beträgt drei Jahre nach Veröffentlichung der Norm – wobei zu beachten ist, dass die Umstellungsfrist bereits mit Erscheinen der internationalen Fassung im August 2018 begonnen ist. Da die Umstellung im Rahmen eines Überwachungsaudits jedoch mit zusätzlichem Zeitaufwand verbunden ist, sollte sie möglichst im Rahmen des ersten nach der Veröffentlichung stattfindenden Rezertifizierungsaudits stattfinden.

 

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