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Die Ein-Euro-Windräder sind im Kommen.

Neowa, ein Unternehmen, das sich auf den Rückbau von Windrädern spezialisiert hat. Die Firma betreibt mit einem Partner eine Recyclinganlage für Rotorblätter in Bremen, die Neocomp.

Könnte sein, dass auf die Firma bald eine Auftragswelle zurollt. Denn zum Jahreswechsel, in rund sechs Monaten, endet die 20-jährige Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für einen ersten Schwung Windanlagen. Betroffen sind etwa 4.000. Dann sollten sie eigentlich auf eigenen Beinen stehen, so der Plan der Erfinder des EEG vor 20 Jahren. Doch wegen des niedrigen Börsenpreises für Strom ist ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen zurzeit kaum möglich. Was sie mit ihren Windrädern ohne finanzielle Förderung machen, ist für Windkraftbetreiber im ganzen Land aktuell die drängende Frage.

 

Grundsätzlich gibt es drei Wege, alle haben ihre Tücken: Erstens könnte der Anlagenbetreiber die Windräder ohne Förderung weiterlaufen lassen und den Ökostrom an der Börse verkaufen. Die zweite Möglichkeit ist das Repowering, das hieße, die alte Anlage abzubauen und sie durch eine leistungsstärkere zu ersetzen. Das wären die klimapolitisch günstigsten Möglichkeiten. Der dritte Weg heißt: abschalten, abbauen und verwerten.

Hier kommt Ingenieur Mika Lange ins Spiel: Neocomp in Bremen ist nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen in Deutschland, ja das einzige in Europa, das die glasfaserverstärkten Kunststoffe (GFK) der Windanlagen überhaupt verwerten kann. Herkömmliche Recyclinganlagen kommen mit den festen Windrad-Kunststoffen sehr schlecht klar. In die Müllverbrennung dürfen sie ebenfalls nicht, die Glasfasern beschädigen sogar die Anlagen. Unsachgemäße Verwertung kann gefährlich für die Gesundheit und Umwelt sein. Und eine Deponierung ist in Deutschland nicht erlaubt.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat bereits 2019 in einer Studie „Engpässe bei den Recyclingkapazitäten für die faserverstärkten Kunststoffe“ festgestellt und klare Leitlinien für den sachgemäßen Rückbau gefordert.

 

Reichen die Kapazitäten für eine Verschrottungswelle in großem Stil? Lange schätzt, „dass etwa die Hälfte der ausgeförderten Anlagen in Deutschland abgebaut und recycelt werden“. Das wären etwa 2.000 bis 2.500 Anlagen. „Diese Menge könnten wir nur schaffen, wenn wir die Kapazitäten verdoppeln und eine zweite Anlage bauen.“

Das fachmännische Verwerten ist teuer: Das Recycling eines Rotorblatts kostet bis zu 3.000 Euro, bei einem kleinen Windpark mit vier Anlagen kommen schnell mehr als 30.000 bis 40.000 Euro Recyclingkosten zusammen. Das schreckt viele Anlagenbetreiber ab. Bei neueren Rotoren, bei denen Carbonfasern statt Glasfasern verbaut sind, funktioniert zudem die Verwertung zu Zement nicht, das Material ist zu komplex. Neowa arbeitet mit der Firma CFK Valley in Stade zusammen, die in einem aufwendigen Verfahren alte Carbonfasern wiederverwertbar macht. Doch das ist noch teurer.

 

Mehr zum Thema: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-06/windkraft-windrad-recycling-erneuerbare-energien-foerderung-umweltschutz/komplettansicht

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