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CO2 Abgabe doppelt zahlen?

Die Einführung der im Klimapaket der Bundesregierung vereinbarten CO2-Abgabe rückt näher.
Vom 1. Januar 2021 an müssen Importeure, Großhändler und Raffinieren für die von ihnen
in Verkehr gebrachte Menge an fossilen Treib- und Brennstoffen Emissionszertifikate kaufen.
Der Preisaufschlag soll an die Endverbraucher weitergereicht werden, das klimaschädliche Heizen
mit Öl oder Tanken mit Benzin und Diesel verteuern – und im
Idealfall eine Lenkungswirkung hin zu erneuerbaren Technologien entfalten.
Industriebetriebe erwartet dadurch eine Doppelbelastung aus neuer CO2- Bepreisung und bestehender
Bepreisung im EU-Emissionshandel, der in Deutschland nach letztem Stand 918 Industrieanlagen erfasst.
Im Fall von gasbefeuerten Dampfkesseln verteuert sich beispielsweise der Energieträger,
obwohl der Anlagenbetreiber für die jährlich ausgestoßene Menge CO2 schon europäische Emissionszertifikate
erwerben muss – ein Szenario, vor dem Industrievertreter frühzeitig gewarnt haben und das die Bundesregierung
explizit zu vermeiden versprochen hatte.

Doch ein vom Bundesumweltministerium jüngst vorgelegter Verordnungsentwurf hat die Gemüter keineswegs
beruhigt, im Gegenteil. So dürften sich die zusätzlichen Kosten für die vom EU-Emissionshandel
erfasste deutsche Industrie allein in den ersten anderthalb Jahren der neuen CO2-Abgabe auf
rund 2 Milliarden Euro belaufen. Ein Jahr später dürften es dann schon 3,4 Milliarden Euro sein.
Die Stahlindustrie schultert die größten Lasten, aber im Grunde sind sämtliche Branchen von der
Chemie über Raffinerien, Papier und Zellstoff hin zur mineralverarbeitenden Industrie betroffen
Das haben Energieberater von Enplify errechnet, der früheren Gesellschaft für Stromwirtschaft,
die viele Industrievertreter zu ihren Kunden zählt; ihre Zahlen liegen der F.A.Z. vor.
Der Hintergrund: Die Unternehmen sollen die Mehrbelastung erst nach Abgabe ihres
Emissionshandels-Jahresberichts im Juli erstattet bekommen, also frühestens Mitte 2022.

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